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               pionerita    

     

    Yoani Sánchez

    Philologin, lebt in Havanna und kombiniert ihre Leidenschaft für die Informatik mit ihrer Arbeit für das Portal Desde Cuba. yoani.sanchez@gmail.com

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    Generación Y ist ein Blog, der angeregt ist durch Leute wie mich: Deren Namen mit dem Buchstaben „Ypsilon“ beginnen oder ihn enthalten. Unsere Generation wurde im Kuba der 70er- und 80er-Jahre geboren und von Landschulaufenthalten, russischen Zeichentrickfilmen, illegalen Ausreisen und Frustration geprägt. Deshalb lade ich besonders Yanisleidi, Yoandri, Yusimí, Yuniesky und andere dazu ein, dass sie sich „ihr Ypsilon“ schnappen, meine Texte lesen und mir schreiben.                                 

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    festival_teatro

    Zurzeit findet hier ein Theaterfestival statt und das hilft, dem langweiligen Fernsehprogramm zu entkommen und den beschränkten Möglichkeiten, sich abends in Havanna zu zerstreuen (übrigens fast alle in konvertiblen Pesos). Geleitet vom Drama und der Komödie, versuchen wir, die Alltagsprobleme zu vergessen, die Sorgen und die Zweifel, die uns dieses Drehbuch des Absurden, nach dem wir leben, aufbürdet. Aber in diesen abgedunkelten Sälen gelingt nicht immer die Flucht, sondern es lässt sich dort manchmal der Schlüssel finden, um auf unsere eigene Realität zurückzukommen und sie neu zu interpretieren.
    Am Samstag zeigte man im kleinen Theater Argos, an der Ecke zwischen den Straßen Ayestarán und 20. Mai, Samuel Becketts Bühnenstück „Endspiel“. Wir gingen früh hin, um noch einen Sitzplatz auf den rustikalen Holzbänken zu bekommen. Glaubt mir, fast zwei Stunden auf einem harten Brett ohne Rückenlehne auszuharren, hält man nur aus, wenn es sich um eine wunderbare Inszenierung handelt. Nun, die von vorgestern Abend war vor der Art, die einen Krämpfe und Nackenschmerzen vergessen lässt. Nicht weil sie Unterhaltung und Gelächter bot, sondern weil sie bei uns diese Beklemmung hervorrief, die uns in Atem hält, dieses menschliche Unbehagen, das uns alles, was uns fehlt, klar vor Augen führt.
    Ein blinder alter Mann, mit dem es bald zu Ende geht, hat eine von Misshandlung und Unterwerfung gekennzeichnete Beziehung zu seinem Diener, den er durch Rituale und Erpressung unterdrückt. In seinem Rollstuhl will der launenhafte Kranke alles, was passiert, kontrollieren und benutzt die Augen seines Untergebenen, um Bescheid zu wissen. Eine krankhafte Dankbarkeit und die Unfähigkeit, sich andere Lebensumstände vorstellen zu können, bewirken, dass Clov an seinen Herrn Hamm gebunden ist und dass der Tag seiner Unabhängigkeit immer wieder hinausgeschoben wird. Von einem schmutzigen Fenster aus sieht man das Meer, ein Symbol für alles Verbotene, das es außerhalb gibt, für alles, was uns zu erleben verwehrt ist.
    Wir gingen danach zu Fuß nach Hause, überwältigt von der Unruhe, mit der uns diese Inszenierung erfüllt hatte. Zu stark war die Wirkung der schwarz gestrichenen Wände, der Schreie des Despoten, die Aufmerksamkeit verlangten und uns mit ihrer so großen Rohheit und Vertrautheit „das Wesen von Machtbeziehungen“ klar machten, „ihr Mysterium und ihre Rituale von Schuld, Erpressung, Zwang, Verzeihung, Manipulation …“*.

    * Das sind die Worte von Carlos Celdrán, dem Leiter des Argos-Theaters, im Programmheft zum Stück „Endspiel“, gespielt von Pancho García, Waldo Franco, José Luís Hidalgo und Veronica Díaz.

    Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

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    Video: Man kann sich Yoani mit Perücke auf dem Video als Standbild ansehen (bei 0:45). Am Anfang hört man den Streit zwischen Yoanis Freunden und dem Türsteher, der sie nicht hineinlässt. Danach kommt ein Diskussionsbeitrag und dann folgt Yoanis kleine Rede.

    Ich weiß nicht, womit ich beginnen soll, um die Ereignisse bei der gestrigen Diskussion über das Internet zu schildern, die von der Zeitschrift „Temas“ organisiert worden ist. Ohne Zweifel gestattete es mir die blonde Perücke, die ich mir übergestülpt hatte, durch die Kontrollen am Eingang des Kulturzentrums Fresa y Chocolate zu schlüpfen. Dies und die hohen Schuhe, die geschminkten Lippen, die glänzenden Ohrringe und eine riesige Handtasche in greller Farbe bewirkten, dass ich mich in ein ziemlich anderes Wesen verwandelte. Einige Freunde gingen sogar soweit, mir zu sagen, dass ich so besser aussähe, mit dem engen und kurzen Rock, dem erotischem Gang und der Brille mit dem viereckigen Gestell. Es tut mir leid für sie, aber die Rolle, die ich spielte, dauerte nur kurze Zeit und heute bin ich wieder zu meinem ungekämmten, langweiligen Äußeren zurückgekehrt.

    Claudia, Reinaldo, Eugenio, Ciro und die anderen Blogger wurden nicht eingelassen. „Die Institution behält sich das Recht vor, Zutritt zu gewähren …“ und meine Cyberspace-Kollegen zeigten die Impertinenz von Leuten, die schon von anderen Orten ausgeschlossen worden sind, aber sich nicht beschämt und schweigend zurückziehen wollen. Drinnen gelang es mir, einen Sitzplatz seitlich neben der Diskussionsrunde zu ergattern. Einige flinke Blicke hatten mich und meine kränkliche Physiognomie schon entdeckt und eine Kamera filmte mich mit der Beharrlichkeit dessen, der ein Protokoll vorbereitet.

    Ein junger Schriftsteller verlangte das Wort und beklagte sich darüber, dass so vielen der Zutritt verwehrt worden sei; danach kam jemand und erwähnte Schlagworte wie „Feind“, „Gefahr“, „uns verteidigen“. Als ich endlich aufgerufen wurde, nutzte ich die Gelegenheit, um zu fragen, welche Beziehung zwischen den Beschränkungen der Bandbreite und den vielen für die kubanische Öffentlichkeit zensierten Websites bestehe. Applaus, als ich schloss. Ich schwöre, dass ich mit keinem von ihnen gemeinsame Sache machte. Danach kam eine Universitätsprofessorin, die fragte, warum ich den Ortega-y-Gasset-Preis des Journalismus bekommen hätte. Es ist mir noch nicht gelungen, die Verbindung zwischen meiner Frage und ihrer Analyse herzustellen, aber die Wege der Diffamierung sind so gewunden. Zum Schluss kamen mehrere Leute auf mich zu, um mich zu umarmen, eine Frau beglückwünschte mich mit einem flüchtigen Händedruck. Die Kühle einer Oktobernacht erwartete mich draußen.

    Wenn es alle, die keinen Zutritt hatten, geschafft hätten teilzunehmen, dann wäre das wirklich eine echte Diskussion über das Internet gewesen. Das, was dort vor sich ging, kam mir recht traurig und eingeschränkt vor. Nur einer der Konferenzteilnehmer erwähnte Konzepte wie das Web 2.0, soziale Netze und Wikipedia. Der Rest war eine Vorsorgeimpfung gegen das perverse Web und wiederholte Rechtfertigungen, warum wir Kubaner in der Masse darauf keinen Zugriff haben. Ich nahm mein Handy zur Hand und twitterte schnell: „Ich glaube, es wäre das beste, noch eine Diskussion über das Internet zu organisieren, aber ohne den Ballast von Zensur und Ausschluss. Heute Morgen verteilte ich mit Ringen unter den Augen, da ich kaum drei Stunden geschlafen hatte, Handouts mit technischen Hinweisen in der zweiten Seminarsitzung unserer Bloggerakademie. http://itinerarioblogger.com/

    Einige der Bilder dieses Videos haben mir freundliche und solidarische Leute zukommen lassen, die im Saal waren.

    Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de