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Es kann kein Vergeben für Taten des Hasses geben. Die Dolchstösse, die im Namen der Freiheit Wunden reißen, sind Stöße ins Herz der Freiheit selbst.

Willkommen zum
Website der Koalition Neues Kuba

Die Koalition Neues Kuba (KNK) ist eine pädagogische, gemeinnützige, steuerfreie Organisation, deren Ziel ist, beim sozial- politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau von Kuba zu helfen, nachdem das Debakel der Castro Ära zu einem Ende kommt. Wir sind uns bewusst, dass Viele in Westen besorgt sind, dass Veränderungen im gegenwärtigen  Regime  zu sozialem und wirtschaftlichen Chaos auf der Insel führen könnten. Unser Ziel ist zu beweisen, wie Kuba die schwierige Herausforderung seines sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus lösen kann, ohne das Schicksal anderer ex-kommunistischer Länder zu erleiden. Kubas Übergang zu einer pluralistischen Demokratie und einer Marktwirtschaft erfordert, nach unserem Standpunkt, eine angemessene politische und gesetzliche Infrastruktur, um unnötige Leiden zu vermeiden. Das ist unser Fokus.

 

Venezuela:

 

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Yoani Sánchez

  • Generación Y ist ein Blog, der angeregt ist durch Leute wie mich: Deren Namen mit dem Buchstaben „Ypsilon“ beginnen oder ihn enthalten. Unsere Generation wurde im Kuba der 70er- und 80er-Jahre geboren und von Landschulaufenthalten, russischen Zeichentrickfilmen, illegalen Ausreisen und Frustration geprägt. Deshalb lade ich besonders Yanisleidi, Yoandri, Yusimí, Yuniesky und andere dazu ein, dass sie sich „ihr Ypsilon“ schnappen, meine Texte lesen und mir schreiben.

     
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    yoani_con_panoleta

    Foto: In der Grundschule mit meinem Halstuch

    In allen Schulen des Landes feiert man heute eine Zeremonie, mit der die Kinder der ersten Klasse in die Organisation der Pioniere eintreten. Der Morgenappell dauert länger als sonst, die Eltern begleiten ihre Kinder, während sie ihnen die Halstücher umbinden und sie zum ersten Mal die Parole „Pioniere für den Kommunismus, wir werden wie Che sein“ rufen. Auch ich machte dies bei zwei Gelegenheiten mit, einmal als ich an der Reihe war, mich in die Liste der OPJM* einzutragen und das andere Mal an jenem Tag, an dem ich dabei war, als Teo initiiert wurde. An die beiden Male habe ich so unterschiedliche Erinnerungen, dass sie in völlig entgegengesetzten Dimensionen stattgefunden zu haben scheinen.

    In meinem Fall waren es die Jahre des ideologischen Feuers und ich, kaum 93 Zentimeter groß, war entschlossen, mein Leben für das Halstuch hinzugeben, das man mir gerade umgelegt hatte. Ich fühlte mich von der Hand des Vaterlandes berührt, obwohl ich in Wirklichkeit nur in die Reihen einer Ideologie aufgenommen wurde. Das Motto der Organisation, in die ich gerade eingetreten war, schien mir das heilige Losungswort, das alle Türen öffnen würde, obwohl ich damals nicht einmal wusste, dass die Nachsilbe „-ismus“ Substantive bildet, die „Lehre, Sekte, System“ bedeuten. Am schlimmsten hätte ich es gefunden, wenn ich ausgeschlossen worden wäre, wie Lybna, die das „Gelübde“ mit dem Rest der Kinder im Klassenzimmer nicht mitmachen durfte, weil sie eine Zeugin Jehovas war. Auf ihr lag ein Schatten, der noch dunkler wurde, gerade weil sie jenes blaue Tuch nicht um den Hals gebunden trug.

    Es vergingen zwanzig Jahre und ich begleitete meinen Sohn an einem Oktobermorgen, um zu sehen, wie er in diese Pionierbewegung eintrat, an die ich schon nicht mehr glaubte. Die Lehrerin schritt die Reihe ab und bat die Kinder, die Parole über Che Guevara zu wiederholen. Teo blieb still und verzog das Gesicht, was den flinken Augen der Direktorin nicht entging. Als man ihn fragte, warum er die Parole nicht gesagt hatte wie der Rest der Schüler, erklärte er in seiner kindlichen Einfalt: „Weil Che tot ist und ich nicht tot sein will“. Ich nahm an, mein Sohn sei gerade im ideologischen Katalog mit dem Schlimmsten der Buchstaben, dem „K“ für Konterrevolutionär versehen worden. Aber nein, die Lehrerin lachte und gab ihm seine erste Lektion in Opportunismus: „Ach, Teo, wiederhol die Parole und fertig, wozu willst du dir Probleme machen?“

    *OPJM: Organisation der Pioniere José Martí

    Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

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    viva_los_trabajadores

    Ich versuche – ohne Erfolg – eine Flasche Spülmittel aufzutreiben zum Putzen der Gläser, die von Fett und Fingerabdrücken verschmiert sind und die man mit Wasser und Lappen alleine nicht mehr sauber bekommt. Auf der Jagd nach der Seifenflüssigkeit bin ich heute ein Gutteil von Havanna abgelaufen, da uns Fernsehmeldungen dazu auffordern, die Hygiene angesichts der Ausbreitung von H1N1 zu verstärken. Trotzdem hat der durch die Epidemie hervorgerufene Alarmzustand nicht bewirkt, dass die Preise für Reinigungsmittel in den Läden herabgesetzt wurden, nicht einmal der Preis von einer einfachen Seife, der dem Lohn eines ganzen Arbeitstages entspricht. Stattdessen ist das Gegenteil eingetreten. Der Zusammenbruch des Imports macht sich am meisten bei dem bemerkbar, was man braucht, um sich zu waschen oder zu desinfizieren.
    Die Stimme des Sprechers ruft uns dazu auf, die Hände oft zu waschen, ein Taschentuch zu benutzen, wenn wir niesen, und auf gute persönliche Hygiene zu achten, aber die Realität zwingt uns zur Schweinerei. Es fehlen Mundschutz, in vielen Häusern fließendes Wasser, der einfache Besitz von Vitamin C, um den Organismus zu stärken, und die Sauberkeit an öffentlichen Orten. Die so genannte „Schweinegrippe“ findet so ein geeignetes Feld, um sich auszubreiten. Während sie in unseren Stadtvierteln voranschreitet, bleiben die offiziellen Medien bei ihrer Zurückhaltung und erwähnen die geschlossenen Schulen nicht, noch die Orte, die sich in Quarantäne befinden, noch die überfüllten Krankenhäuser.
    Diese Vorspiegelung einer heilen Welt bringt uns noch um. Dieser Wille, zu zeigen, dass wir besser leben und dass sich unsere Statistiken von dem Weltdurchschnitt abheben, vermag es nicht, die Anfälligkeit unserer Gesellschaft angesichts einer Epidemie zu verbergen, die materielle Mittel in den Händen der Bürger verlangt. Wenn es zum Luxus wird, sich den Körper einzuseifen oder ein wenig Alkohol zum Desinfizieren der Hände zu haben, wie sollen wir da die Pandemie aufhalten, die schon unter uns ist? Wenn nicht einmal die normale Seifenlieferung für den September auf dem rationierten Markt ankam, wie kann es denn sein, dass man im Fernsehen zur Hygiene aufruft, ohne auf den dazu notwendigen Grundstoff hinzuweisen. Hatten sie etwa vorher nicht bemerkt, dass wir im Dreck versanken? Mussten erst Bindehautentzündungen, Durchfälle und Viruserkrankungen Unheil anrichten, damit man merkt, dass Gesundheit nicht nur aus einem weißen Mantel und einem Stethoskop besteht, sondern dass sie auf den Straßen beginnt, beim Einsammeln des Mülls, bei den Duschen der Häuser und bei der Mutter, die den Teller nicht spülen kann, von dem ihr Sohn essen wird.

    Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

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    cotorra

    Bis zur Mitte der 80ziger Jahre konnte man sie auf der ganzen Länge unseres nationalen Territoriums finden. Während eines Vierteljahrhunderts setzte sich ihre Präsenz durch, sie waren aggressiv und zeigten sich gerne. Sie schienen vollkommen überzeugt. Als wasserdichte Optimisten vor jeder Entmutigung hatten sie immer genau das richtige Argument zur Hand, um Miesmacherei und tendenziösen Kommentaren des „Feindes“ entgegenzutreten. Ein arrogantes Lächeln als Vorspiel zu ihren Antworten charakterisierte sie, ein oberlehrerhafter Zug voller Überlegenheit und ein Blick zwischen verächtlich und mitleidig, wenn sie ihre klaren Aussagen unter den Ratlosen verbreiteten. Manchmal zeigten sie sich überrascht und erschrocken darüber, dass Menschen existierten, die nicht verstanden, dass die leuchtende Zukunft kurz davor war, einzutreten und sich durchzusetzen.

    Jetzt haben sich einige von ihnen, wie erfahrene Chamäleons, einer Metamorphose unterzogen und studieren die Regeln des Marketing, um sie in den mit ausländischen Kapital ausgestatteten Unternehmen anzuwenden, wo sie leitende Positionen besetzen. Sie haben eine feine Nase, um kommende unvermeidliche Veränderungen zu riechen. Wenn sie allein sind mit jemandem, der ausgeschlossen und kritisch ist, wie ich, klopfen sie uns auf die Schulter und flüstern uns ins Ohr: „Ich stehe auf deiner Seite“. Auf diese und ähnliche Weise glauben die Opportunisten, dass sie sich einen Platz in der Welt von morgen reservieren können, wo sie beabsichtigen, die Maske zu tragen, die nötig ist, um auch weiterhin für sich Nutzen zu ziehen.

    Die Wandlung dieser Spezies, die früher denjenigen nachstellte, die anders dachten als sie, hat zu einer leichten Verbesserung im geistigen Klima der Nation beigetragen. Angesichts des allmählichen Verschwindens der Inquisitoren, gewinnen die Irrgläubigen langsam Vertrauen, was nicht bedeutet, dass die Scheiterhaufen gelöscht wären. Die repressiven Institutionen bleiben intakt; der Unterschied besteht darin, dass ihnen jetzt die Argumente fehlen und sie nur ihr Verlangen anführen können, an der Macht zu bleiben, nicht mehr als eine soziale Klasse, die für die Wiederherstellung ihrer Rechte kämpft, sondern als eine Kaste, ein Familienclan, der seine Interessen verteidigt.

    Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

    tortuga

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    “Das wird man anders lösen müssen”, meinte Jorge zu seinem Bruder, als er von der Abschaffung des Mittagessens in einigen Firmen erfuhr. Sein Arbeitsplatz als Koch in einer staatlichen Zweigstelle ermöglichte es ihm, von dem symbolischen Gehalt, das er jeden Monat erhielt, gerade so zu leben. Dadurch dass er Lebensmittel abzweigte und später auf dem Schwarzmarkt verkaufte, konnte er sein kleines Haus gegen ein anderes, größeres eintauschen. Er kaufte einen DVD – Spieler, der es ihm ersparte das langweilige Fernsehprogramm zu sehen, und fuhr sogar mit seinen Kindern in den vergangenen Ferien nach Varadero. Seine Geschäftsidee war einfach: Er versorgte einen Kiosk, der abgepacktes Essen anbot, mit Reis, lieferte Öl – das er aus dem Lager mitnahm – an einen kleinen selbstständigen Unternehmer, und eine Sandwich-Verkäuferin bezahlte ihm jene Brote, die auf dem Tablett der Arbeiter nie landeten.

    Jetzt scheint all das zu Ende zu sein für diesen agilen Mann, der mit Dingen, die ihm nicht gehörten, handelte. In verschiedenen Ministerien wird man in Zukunft 15 kubanische Pesos verteilen, damit sich die Angestellten das Mittagessen selbst besorgen können. Der Betrag hat viele überrascht, besonders jene, die weniger als diese Summe für einen Arbeitstag von acht Stunden verdienen. Wenn die zum Mittagessen ausgegebene Summe sich auf diesen Wert beläuft, dann erkennt der kubanische Staat damit an, dass man zum Bestreiten der Ernährungs- und Transportkosten eigentlich mindestens dreimal soviel für jeden Arbeitstag bezahlen müsste.

    Jorge denkt schon daran, die Arbeit in der gleichen Firma zu wechseln, und die Aufgabe des Verwalters zu übernehmen. Bis vor einer Woche war dies ein Posten mit zu viel Verantwortung und wenig “gefragt”, aber schlagartig hat es sich in eine attraktive Position verwandelt. In seinen Händen wird es liegen, zu bestätigen, wie viele Tage ein Mitarbeiter anwesend war, damit dieser die Zahlung für das Mittagessen erhält. Er plant schon, bei der Abwesenheit von Arbeitern ein Auge zuzudrücken, und den Essensbetrag zwischen sich und dem Mitarbeiter, der nicht kam, zu teilen. Er wird bereitwillig die Säcke mit Bohnen und Mehl gegen die Namenslisten und Karten eintauschen, auf denen die Anwesenheit notiert wird. Vielleicht kann er nächstes Jahr mit seiner Familie an den fernen Strand von Baracoa fahren.

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    Sie klopften an die Tür mit einem Durchsuchungsbefehl, den sich Aldos Mutter nicht einmal genau ansehen durfte. Sie gingen direkt in das Zimmer, um den Computer zu beschlagnahmen, auf dem sich die Texte jener Lieder befinden, die im ganzen Land kursieren. Es gab keine Möglichkeit, der Polizei klar zu machen, dass dieser Mann mit langen Haaren und Tattoos am ganzen Körper kein Verbrecher ist. Uniformierten geht Hip Hop auf die Nerven, und ein langhaariger Tätowierter ist für sie die perfekte Verkörperung eines Kriminellen. Sie berücksichtigten nicht, dass Juanes seinen Namen erst vor einer Woche auf dem Platz der Revolution in Erinnerung rief, als er die Gruppe Los Aldeanos erwähnte. Die Nachricht von der Verhaftung verbreitete sich, bis der Sänger Silvio Rodríguez in eigener Person sich dafür einsetzte, dass ihm der Computer zurückgegeben wurde und man ihn nach Hause gehen ließ.

    Aldo und Bian sind schon fast von allem ausgeschlossen worden, nur ihre Begabung für Musik konnte die Zensur ihnen nicht nehmen. Einige Freunde verteilten Flugblätter, um die Ausschaltung des bekannten Duos anzuprangern, und äußerten: “Es ist eine Frage der Ehre, diese Männer in den Rang von lebenswichtigen Organen der Nation aufzunehmen”. Aber unsere Gesellschaft liegt auf der Intensivstation, mit transplantierten Teilen und einem Dialysegerät, das an jenen Bereich angeschlossen ist, wo ein Bürgertum funktionieren sollte. Wir leben auf einer Insel, wo man etwas heraus reißt und amputiert, weil einige wenige diagnostizieren, dass ein Glied Wundbrand hat, während es in Wirklichkeit einfach nur anders ist.

    Dadurch dass man den Musiker mit seinem Computer wegbrachte – für den ein Eigentumsnachweis fehlt, wie bei fast allen auf Kuba – wollte man ihm vielleicht eine Spritze voller Schrecken injizieren, die bekannte Behandlung, um Angst zu verstärken. Aber das funktioniert nicht mehr so wie früher. Jetzt verwandelt sich Furcht in Lieder, in Blogs und in Scheiben, die von Hand zu Hand wandern, während Beschlagnahmungen und Verhaftungen nur erreichen, dass es immer so weiter geht.

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    aldana_entrevista

    Überschrift des Zeitungsartikels von 1991: „Dieses Jahr können die Kubaner unbeschränkt ins Ausland reisen“*

    Zurzeit beschäftige ich mich wieder einmal mit den Formalitäten, die nötig sind, um eine Ausreiseerlaubnis zum Verlassen Kubas zu erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, am 14. Oktober in der Columbia University sein zu können, um der Übergabe des Maria Moors Cabot Preises* beizuwohnen, ist gering. Aber ich werde den Papierkrieg fortsetzen. Ebenso wenig Hoffnung habe ich, auf die Präsentation meines Buches in Brasilien gehen zu können, obwohl der Senat dieses Landes Schritte unternommen hat, um zu erreichen, dass ich ein Flugzeug besteigen kann. All diese Schwierigkeiten beim Erhalt einer Ausreisegenehmigung rufen mir die Worte, die vor 18 Jahren von Carlos Aldana gesagt wurden, in Erinnerung, einem Schoßkind der Revolution, der in Ungnade verfiel und heute, wie es heißt, Senioren Unterricht im Marxismus erteilt.

    In einem Interview von 1991 für die spanische Zeitschrift „Cambio 16“ versicherte die frühere Nummer drei der Macht in Kuba, dass „dieses Jahr die Kubaner unbeschränkt ins Ausland reisen können“. Er präzisierte aber weder, ob wir das mit den Flügeln unserer Vorstellungskraft tun sollten, noch, ob ein solches Jahr zwölf Monate oder fast zwei Dekaden umfasst. Damit Ihr die Erklärungen von damals lesen könnt und feststellen könnt, wie lange man uns schon dieselben Stereotypen in einem fort wiederholt, ist hier der Link für das Interview: (http://www.desdecuba.com/generaciony/wp-content/uploads/2009/09/entrevista_-aldana_1991.pdf).

    *Ich danke der Journalistin Miriam Leiva für die Fotokopie des Dokumentes.

    Anmerkung der Übersetzerin:
    *Siehe dazu den Blogeintrag vom 28. Juli 2009

    Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

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    Die Staubwolke, die sich durch das Konzert von Juanes erhoben hatte, ließ uns wichtige Themen unserer Realität nicht erkennen. Auf der Straße kommentierte man kaum die Maßnahmen, die von Obama ergriffen wurden, um den Versand und die Reisen auf unsere Insel zu flexibilisieren. Sogar die Verhandlungen, um den direkten Postverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba wiederherzustellen, stießen auf Gleichgültigkeit. Die hell gleißenden Lichter der Showbühne stellte die neue offizielle Regelung in den Schatten, die es – auch wenn sie noch nicht in die Praxis umgesetzt wurde – den kubanischen Postämtern erlaubt, den Internetzugang in konvertibler Währung anzubieten. Man vergaß sogar am letzten Freitag die Vorstellung des siebten Kurzfilmes der Sage von Nicanor unter der Regie von Eduardo del LLano.

    Jetzt, da wir zu den verblichenen Farben unseres Alltags zurückgekehrt sind, habe ich den erst kürzlich erschienenen Film „Pas de quatre“ wieder gesehen. Die Geschichte spielt in einem alten Chevrolet, dessen Chauffeur seine Dienste umsonst anbietet. Unter den drei Passagieren, denen es gelingt, in dieses seltsame Taxi einzusteigen, muss einer so schnell wie möglich die Analyse seines Stuhlganges zu einer weit entfernten Polyklinik bringen. Der Fahrer, gespielt von Luis Alberto García, legt seine innovative Philosophie dar über den Schaden, den die Immobilität und die Schwierigkeiten im Transportwesen der Nation bringen. Zum Rhythmus der Räder auf dem Asphalt kommt er zu der Erkenntnis, dass „es keine anarchistischere und subversivere Vorstellung gibt, als die eines kubanischen Touristen“.

    Nun ja, sich zu bewegen hat sich wirklich in einen Akt des Protestes verwandelt. Deshalb können Erleichterungen für die Leute bei der Ein- und Ausreise, bei Ortsveränderung oder Standortwechsel unerwartete Veränderungen im nationalen Umfeld entfesseln. Man stelle sich vor, wenn es uns allen in den Sinn käme, zu reisen, die Landstraßen zu benutzen und Verwandte zu besuchen, die wir seit zwanzig Jahren nicht gesehen haben. Wenn ein Reisefieber das Land überraschenderweise erfasste, dann könnte diese Aufregung die Bürokraten anstecken und all die leitenden Männer, die keine Vorstellung von Dynamik haben. Wer weiß, ob dann dieser Anstoß nicht auch diejenigen wieder in Bewegung setzen würde, die heute die Bremsklötze darstellen, die verhindern, dass wir endlich auf dem Weg der Veränderung dahin gleiten.

    Übersetzung: Iris Wißmüller /iris.wissmueller@gmx.de

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    Cuba Juanes

     

     

     

     

     

     

     

     

    Bildunterschrift: Foto aus der Zeitung “El Diario”

    Morgen wird es wieder hell wie jeden Montag. Der Peso Convertible wird weiter ins Unendliche steigen, Adolfo und seine Kollegen werden einen weiteren Tag hinter Gittern in dem Gefaengnis von Canaleta verbringen, mein Sohn wird in der Schule hoeren, dass der Sozialismus die einzige Option fuer unser Land ist und an den Flughaefen werden wir weiterhin eine Ausreisegenehmigung brauchen, um die Insel zu verlassen. Das Konzert von Juanes wird unser Leben nicht signifikant veraendert haben, aber ich bin auch nicht mit einer solchen Illusion zur Plaza gegangen. Es waere ungerecht, von dem jungen kolumbianischen Saenger zu verlangen, dass er jene Veraenderungen anstiesse, die wir selbst nicht erreicht haben, obwohl wir sie so sehr herbeisehnen.

    Ich war auf jenem grossen, ebenen Platz und stellte fest, wie veraendert ein und derselbe Ort sein kann, wenn er von einem Menschenauflauf, der von oben organisiert ist, angefuellt ist oder wenn er von einer Menschenmenge belebt ist, die tanzen, singen und interagieren will, ohne dass sich die Politik einmischt. Es war eine seltsame Erfahrung, dort zu sein, ohne Parolen zu rufen und ohne mechanisch applaudieren zu muessen, sobald der Ton der Rede anzeigt, dass der Moment fuer Ovationen gekommen ist. Natuerlich aehnelten einige Elemente doch denen eines beliebigen Aufmarsches zum 1. Mai, besonders der Anteil von Polizisten in Zivil im Publikum.

    Gewisse technische Details haben sich als stoerend herausgestellt. Den Ton hoerte man nicht gut, den kleinen Bildschirm, der das Geschehen auf der Buehne reproduzierte, sah man von weiter weg nicht und die Tageszeit, die man sich ausgesucht hatte, war wenig menschenfreundlich, da sie mit der Zeit zusammenfiel, zu der die Sonne besonders gnadenlos scheint. Zum Glueck hat sich der Himmel nach 4 Uhr bewoelkt und diejenigen, die unter den wenigen Baeumen Zuflucht gefunden hatten, fingen an, mit den Orishas zu tanzen. Das sind Details, die es bei der naechsten Vorstellung, die Juanes in Cuba geben wird, zu perfektionieren gilt, jener Vorstellung, bei der es nicht reihenweise technische Maengel gibt und bei der auch die Ausgeschlossenen dieses Abends singen koennen.

    Wenn wir das Konzert dieses 20.September als Generalprobe fuer ein zukuenftiges Konzert auf der Insel betrachten, dann muessen wir den Teilnehmern ein Kompliment machen. Selbst wenn es keine weiteren Konzerte geben sollte und der Platz wieder feierlich und grau daliegen sollte, so haben wir wenigstens an diesem Sonntag Nachmittag etwas ganz anderes erlebt. An einem Ort, an dem man immer systematisch die Trennung zwischen uns Buergern betrieben hat, da rief Juanes beim Sonnenuntergang aus: “Fuer eine einzige grosse kubanische Familie!”

    Uebersetzung: Iris Wissmueller /iris.wissmueller@gmx.de

     

     

panfilo-rostro

Ich bin mit der Nachricht aufgestanden von der Überführung Pánfilos vom Gefängnis in eine psychiatrische Klinik, vielleicht, um dort mit seiner Entgiftung zu beginnen. In die Liste der für die kubanische Zivilgesellschaft davongetragenen Siege im letzten Jahr – noch sind es wenige und sie sind begrenzt – muss man die Befreiung dieses einfachen Menschen aus seiner Zelle aufnehmen. Zu der kurzen Aufzählung des Erreichten gehört auch die Befreiung von Gorki Àguila vor mehr als einem Jahr und die Nichtanwendung einer Resolution, die die einheimischen Bürger daran hindert, in Hotels ins Internet zu gehen.

Ich glaube, dass die positive Entwicklung der Ereignisse im Fall „Pánfilo“ durch die Arbeit der Leute erreicht wurde, die die Kampagne „Futter und Freiheit“ durchführten und exakt gestern 3000 Unterschriften überreichten, die seine Befreiung forderten. Man muss auch den unzähligen internationalen Printmedien danken, die dazu beitrugen, die Aufmerksamkeit auf die ungerechte zweijährige Freiheitsstrafe für Juan Carlos Gonzáles zu richten. Die alternative Blogger-Sphäre half, wie zu erwarten war, der Mauer einen Stoß zu versetzen, die sich an dem Tag zu verstärken schien, als jemand ins Gefängnis geworfen wurde, der nur nach Essen verlangte.

Jedenfalls vergisst man den Fauxpas, den unaggressiven Betrunkenen eines Stadtviertels wegen Gefahr im Verzug vor Gericht zu bringen, nicht so leicht. Jetzt bleibt abzuwarten, dass er nach Hause zurück darf, dass er Zugang zu einer Ernährung hat, die jedes menschliche Wesen verdient und zu einer Redefreiheit, die ihm erlaubt, vor der Kamera das zu sagen, was er meint, ohne es deswegen mit dem Staatsanwalt zu tun zu bekommen. Wenn die Übergabe des Dokuments „Schick einen Brief!“ an den Vertreter von Juanes irgendwie dazu beitragen konnte, dass sich für Pánfilo die Gefängnistüren öffneten, dann gibt es einen weiteren Grund, diesem Konzert vom 20. September zu applaudieren. Schade, dass wir warten müssen, dass uns Berühmtheiten besuchen, damit sich die Riegel öffnen, aber, abgesehen von diesem Detail, verbuchen wir diesen Triumph für uns.

Ihr wisst schon: Wenn ihr mit etwas darauf anstoßen wollt, um zu feiern, dass Pánfilo freigelassen wurde, auf keinen Fall mit Alkohol, lieber mit Wasser!

Anmerkung der Übersetzerin:

*siehe dazu Blogeintrag vom 16. August: Der Antiheld

Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

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In einem Ambiente von gedämpftem Licht und mit einem Mojito in der Hand kann ich die Lieder genießen, die mir in einem anderen Umfeld mit ihren einfachen Texten süßlich und kitschig erscheinen. Ich bringe die Kritik in mir zum Verstummen und lasse mich, wenn die Situation es verdient, von jenen Sätzen mitreißen, die “dolor” auf “amor” und “sufrir” auf “morir” reimen (deutsch: Schmerz, Liebe, leiden, sterben). Den romantischen Kitsch kann ich tolerieren, aber der schlechte Geschmack in der Politik ist etwas, was ich unerträglich finde.
Der Missbrauch von Bildern und Parolen, die so lange wiederholt werden, bis sie ihre emotionale Bedeutung, die sie einmal besaßen, verlieren, verstärkt noch diesen reichlich vorhandenen Kitsch in extrem ideologisierten Gesellschaften wie der unseren.

Einige kurze Bildsequenzen aus einem “Basar der revolutionären Kunst” in einer zentral gelegenen Straße in Havannas Altstadt bestätigen meine Hypothese der dekorativen Elemente in Verbindung mit einer Ideologie. Um dort irgendeines jener Attribute zu kaufen, die einen politischen Entwicklungsprozess kennzeichnen, muss man in einer anderen Währung bezahlen als der, die unsere Arbeit uns einbringt. Kurioserweise werden die “Ikonen” selbstloser Hingabe an ein soziales Projekt auf der klaren Basis von Angebot und Nachfrage verkauft. Das Geld verwandelt sich so in einen Pullover, eine Kappe oder einen Rucksack, welche dann wie eine Reliquie, wie ein Stück Holz aus Utopia hergezeigt werden.

Die Gesichter, die man in diesem kleinen Geschäft sieht, sind für viele Personen außerhalb Kubas Teil der Gegenkultur, die sich dem Status Quo entgegen stellt. Sie sind die Embleme, auf die sich manche in der Absicht berufen, das zu verändern, was ihnen in ihrer eigenen jeweiligen Gesellschaft nicht gefällt. Aber auf dieser Insel tritt genau das Gegenteil ein. Die, die uns von den Plakaten und T-Shirts anblicken, sind für uns jene, die die aktuelle Ordnung erschufen, die Verwalter des Systems, in dem wir seit fünfzig Jahren leben. Wie kann man diese Symbole tragen, ohne den Eindruck zu haben, dass man dadurch die Kultur der Macht, die Embleme der Herrschenden annimmt?

Übersetzung: Werner Jäckle

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Sie waren drei Meter von einander entfernt und richteten ihre Mobiltelefone aus – wie zwei Cowboys bei einem Duell – um den Videoclip “Decadencia” und die neusten Fotos von Carlos Lage zu übertragen. Die Information flog durch die Luft und wurde im Speicher jedes Telefonapparats abgelegt. Sie hinterließen keine Spur der Übertragung, noch nicht einmal diejenigen, die in der Nähe standen, bemerkten, dass fast fünfzig Megabytes den Park in einigen kurzen Minuten durchquert hatten. Bei Fortschreiten der Nacht gaben sie das “Material” an ein Dutzend Freunde weiter, welche es am nächsten Tag an weitere fünfzig übertrugen.

Die Bluetooth-Technologie ist der Albtraum der Zensoren. Verbotene Bücher im pdf-Format, Lieder, die man nie im Radio hört, auf der Insel blockierte Blogs, und alle Arten von Nachrichten, die in den offiziellen Medien fehlen, werden mit Hilfe dieser Radiofrequenzen übertragen. In der Hauptstadt ist es ein wachsendes Phänomen, besonders unter den Jüngeren. Es gibt sogar Leute, die ein Mobiltelefon nur deshalb bei sich tragen, um es als Mittel zum Speichern und Tauschen von Fotos, Musik und Videos zu nutzen, da sie die hohen Preise des Mobiltelefonierens nicht bezahlen können.

Dinge, die man nicht berühren kann, bahnen sich einen Weg in dieser Gesellschaft, wo das Drucken und Verteilen einer Bekanntmachung uns wegen des Delikts der “feindlichen Propaganda” ins Gefängnis bringen kann. Zahlreiche, ausschließlich virtuelle, Zeitungen erblicken das Licht der Welt, während eine Kultur des Digitalen diejenigen ins Abseits stellt, welche denken, dass Revolutionen nur mit Waffen und Reden gemacht werden. Für sie sind diese „omnidirektionalen“ Wellen reines Kinderspielzeug. Es ist besser, dass sie dies glauben. Wenn sie deren Wichtigkeit endlich erkannt haben, dann wird das Drahtlose schon längst all jene Fäden wieder verbunden haben, welche zwischen uns Bürgern systematisch abgeschnitten worden sind.

Übersetzung: Werner Jäckle

 

            Pressestatement von Yoani Sánchez

  

 

Gedanken - José Martí

 

José Martí's thoughts have been taken from Carlos Ripoll’s book "Martí Polyglot"

 

Dr. Emilio-Adolfo Rivero

“Peaceful Transition" in Cuba: An Enforced Insanity  and A Way Out of It
Whenever it comes to Cuba¹s situation, it seems that people lose their  bearings  they don¹t know where they are, or where they¹re going.

 

 

 

 

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Joseph Pulitzer

Our Republic and its press will rise or fall together.. An able, disinterested, public-spirited press, with trained intelligence to know the right and courage to do it, can preserve that public virtue without which popular government is a sham and a mockery. A cynical, mercenary, demagogic press will produce in time a people as base as itself. The power to mould the future of the Republic will be in the hands of the journalists of future generations.

 

 

 
   

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New Cuba Coalition
P. O. Box 755
Washington, D. C. 20044
Dr. Emilio-Adolfo Rivero — President
Ernesto Díaz-Rodríguez — Vice President

Diosmel Rodríguez - Vice President
e-mail:
Cuba@newcubacoalition.org

 

 
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